Übersetzung eines SazGesangs aus dem Morlackischen KarstGebirge

Was ist leuchtend weiß auf grünen Bergen?
Ist es Schnee noch, sind’s gar weiße schwäne?
Wär’s noch Schnee, er wäre längst geschmolzen.
Schwäne wären längst schon fort geflogen.
Schnee ist’s nicht und’s sind auch keine Schwäne.
Zelte sind’s des Aga-Hasan-aga,
den dort schwere Wunden bitter quälen.

 

Ihn umsorgen Mutter und Cousine,
was aus Scham die Liebste ja nicht konnte.
Als die bitt’ren Wunden besser waren,
ließ er seiner treuen Lieben sagen:
„Warte nicht auf mich im weißen Schlosse,
nicht am Hof, noch im FamilienKreise!“

Als die Hohe Frau verschtand die Worte,
schtand sie elend schtarr, schtill in Gedanken,
da schallt HufLärm rauf vom weißen Hofe
und die Hasansche flieht hin zum Fenster,
um turmabwärts sich den Hals zu brechen.
Ihr nach rennen rufend die zwei Töchter:

„ Kehre um zu uns, geliebte Mutter,
s’ist nicht unser Vater Hasan-Aga,
sondern Pintorovich, unser Onkel!“
Und die Hasan-Aginsche hält inne,
hängt alsbald am Halse ihres Bruders:
„Ja, mein Bruder, groß ist solche Schande,
fortzuschicken mich von den fünf Kindern!“

Doch der Beg schweigt, will nichts schprechen, aber
langt in seine SeidenHemdBrustTasche,
zieht für sie heraus das ScheidungsSchreiben,
und er fordert nun legale Heirat,
daß sie kehrt mit ihm zurück zur Mutter.

Als die Edle das gelesen hatte,
küßte sie die Schtirnen der zwei Söhne
und zwei Töchtern rosigrote Wangen,
doch vom Sohn, dem Winzling in der Wiege,
konnte sie sich keineswegs so trennen,
bis sie packte fest behänd der Bruder,
der sie kaum vom Söhnchen reißen konnte,
setzte sie sodann zu sich auf’s treue Pferdchen,
das vom weißen Hof mit ihr fort trabte.

Wenig Zeit nur, nicht mal eine Woche,
wenig Zeit verging zuhause für die
gute Dame, bis von guter Herkunft
allseits werben Edle um die Gute,
doch am meisten Imotskas GerichtsHerr.

Ihren Bruder bittet dann die Fürstin:
„Bruder, ach, ich wollt dir niemals solches!
Gib mich nur nicht hin für einen and’ren,
würd mir dies das elend Herz doch schprengen,
wenn ich meine armen Kinder sehe.“

Pintorovich-Beg beachtet’s gar nicht,
sondern gibt sie dem SchariaRichter.
Nochmals bittet die Edle den Bruder,
ihr ein weißes BriefBlättchen zu schreiben
und es Imotskas Richter zu senden:

„Hiermit begrüßt dich die Braut nun recht šön,
aber sie bittet dich auch im Schreiben,
daß du, wenn du die BrautWerber sendest,
für die Braut ’nen dichten Schleier mitbringst,
wenn es ruhig wird am Hofe Hasans,
daß mich seh’n nicht meine armen Kinder.“

Als das weiße Briefchen kommt zum Richter,
ruft er Gäste zur HochZeit zusammen,
geht im HochZeitsZug, die Braut zu holen.
Gut erreicht der Zug die Braut zuhause,
macht sich mit der Guten (, gut verschleiert)
auf den RückWeg (feiernd).

Als es ruhig war am Hofe Agas,
šauten doch zwei Töchter aus vom Fenster,
als zwei Söhne plötzlich vor sie traten
und zur Mutter heftig drängend schprachen:
„Kehr zu uns zurück, geliebte Mutter,
daß mit dir wir froh zu abend essen!“

Als die Hasansche das hörte, sprach sie
an den Leiter der Hochzeit gewendet:
„Gott vergelts dir, Bruder Brautführer!
Laß beim Hof die Pferde für mich halten,
daß ich meine Armen noch beschenke!“

Nah beim Hofe die Pferde anhaltend,
schenkte sie Schönes den armen Kindern:
Jedem Söhnchen vergoldete Dolche,
jeder Tochter bodenlang ein PrachtKleid,
aber dem Kleinen in der BabyWiege
šickt sie für schpäter beschtickte Kleider.

Doch der Held sieht alles. Hasan-aga
ruft dann zu sich seine beiden Söhne:
„Kommt nur zu mir, meine Ärmsten beide,
denn für euch will nie sich jeh der Mutter
Herz erweichen, das hart wie Eisen ist!“

Als die Hasan-Aginsche dies hörte,
schlug sie weiß im Gesicht zu Boden,
trennte sich im Schturz von ihrer Seele,
traurig schauend noch auf ihre Armen.